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Berufsorientierung am Förderzentrum Dithmarschen-Süd
Konzept eines Betriebserkundungstages der Abschlussklasse in Brunsbüttel

1. Zur Entstehung des Betriebserkundungstages
2. Zur Struktur des Betriebserkundungstages
3. Zielsetzungen
4. Umsetzung
5. Vernetzung

 

1. Zur Entstehung des Betriebserkundungstages

Bis zum Schuljahr 2002/2003 führten die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse des Förderzentrums Dithmarschen-Süd in Brunsbüttel ein jährliches Betriebspraktikum durch, das als zweiwöchiger Block im März/April stattfand. Ziel dieses Praktikums war nicht in erster Linie die Berufsvorbereitung, da die Jugendlichen nach dem Besuch der Förderschule in der Regel noch nicht berufsfähig sind, sondern eine erste Orientierung in die Arbeitswelt hinein. Es hatte sich herausgestellt, dass die Belastungen eines gesamten Arbeitstages über den Zeitraum von zwei Wochen hinweg für einen Teil der Schülerinnen und Schüler zu gravierend waren, was teilweise zum Abbruch des Praktikums führte. Diese ersten Eindrücke der Arbeitswelt führten bei einem Großteil der Jugendlichen dazu, dass sie nach Beendigung des Praktikums die Schule anders wahrnahmen. Sie hatten zum Teil erfahren, dass sie das in der Schule Gelernte in den Betrieben benötigten und bewerteten den Unterricht in der Folge positiver. Außerdem hatten sie erkannt, dass ein Schulvormittag weit weniger belastend ist als ein Arbeitstag in einem beliebigen Betrieb. Dies wirkte sich teilweise auf die Lernmotivation der Jugendlichen aus. Bedingt durch die Terminierung des Betriebspraktikums im März/April wirkte sich diese Änderung der Motivation zumindest für die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse aber kaum noch aus, da das Schuljahr im Juni/Juli bereits zu Ende ging. Aus diesen beiden Argumenten, der Überlastung einiger Jugendlicher sowie der nach Beendigung des Praktikums ansteigenden Lernmotivation, erwuchs die Idee, das Praktikum über das gesamte Schuljahr zu erstrecken.


2. Zur Struktur des Betriebserkundungstages

Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse besuchen das gesamte Schuljahr hindurch jeweils am Freitag einen Betrieb in Brunsbüttel oder Umgebung. Dort arbeiten sie zum Teil selbständig, sind aber in der Regel einem Beschäftigten des Betriebes zugeordnet. Die Arbeitszeit erstreckt sich zumindest auf die Dauer eines „Schulvormittages”, die meisten Jugendlichen arbeiten auf eigenen Wunsch einen längeren Zeitraum.Die aufgesuchten Betriebe stammen aus den Bereichen des Handels, des Handwerks, des Dienstleistungsbereiches sowie aus dem öffentlichen Sektor. Die Mehrzahl der „Praktikumsplätze” wurde vom Klassenlehrer angeworben, nur wenige Jugendliche waren in der Lage, sich selbständig einen Betrieb zu suchen. Hier ist hervorzuheben, dass die Brunsbütteler Betriebe der Förderschule und ihren Schülerinnen und Schülern erfreulich offen gegenüber stehen und meist ohne weiteres bereit sind, einen Jugendlichen aufzunehmen. Die Betreuung vor Ort erfolgt durch den Klassenlehrer, der die Schülerinnen und Schüler in den Betrieben regelmäßig aufsucht und Gespräche mit den Beschäftigten führt, die die Jugendlichen anleiten. Teilweise erfolgt diese Kontaktaufnahme auch über das Telefon. Auf den Wunsch der Jugendlichen hin wurde ihnen die Möglichkeit eröffnet, den Betrieb zum Ende des ersten Schulhalbjahres zu wechseln, um Einblick in einen anderen Bereich zu gewinnen. Ein Austausch der in den Betrieben gesammelten Erfahrungen und Eindrücke erfolgt jeweils am Montag im Unterricht in der Schule.

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3. Zielsetzungen

Gerade bei der Schülerschaft einer Förderschule ist ein Abbrechen der berufsvorbereitenden Maßnahmen überproportional zu erkennen. Speziell in den ersten Monaten ist die Quote beachtlich. Diesem Missstand soll durch ein niedrigschwelliges „Hineinriechen” in die Arbeitswelt entgegen gewirkt werden. Ziel ist es daher, die Integration benachteiligter Jugendlicher mit und ohne Förderschulabschluss in das Berufs- und Erwerbsleben durch schulische, berufskundliche sowie in erster Linie soziale Bildung und Reifung vorzubereiten.
Insbesondere sollen die folgenden pädagogischen Ansätze in der Maßnahme des Betriebserkundungstages Defizite minimieren und die Lern- und Arbeitsmotivation der Jugendlichen ausbauen

  • Kenntnis der eigenen Möglichkeiten und Begrenzungen im intellektuellen und manuellen Bereich,
  • Anbahnung eines realistischen Selbstbildes und realistischer Lebenspläne,
  • Einüben von Fähigkeiten, wie z.B. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Genauigkeit usw.,
  • Ausdauer und Zielorientierung,
  • Ausbau der Fähigkeit der Selbstorganisation,
  • Durchstehen eines Arbeitstages,
  • Erfahrungen hinsichtlich der Teamfähigkeit,
  • Einklang von „Arbeits-„ und Privatleben,
  • Einüben eines angemessenen Verhaltensrepertoires in beruflichen Situationen,
  • Erweiterung des Lernangebotes im Bereich der Berufsorientierung,
  • berufs- und betriebsspezifische Erfahrungen.

Die Auflistung dieser Ziele stellt zugleich eine Gewichtung dar. Im Vordergrund steht bei der Maßnahme des Betriebserkundungstages nicht so sehr die Berufsorientierung, das vorrangige Ziel ist dieser Orientierung vielmehr vorgelagert und somit im Bereich des sozialen Lernens zu sehen. Die Jugendlichen sollen sich Verhaltensweisen aneignen, die es ihnen ermöglichen, in der Zukunft am Berufs- und Erwerbsleben teilnehmen zu können. Es geht hier in erster Linie um Basisfähigkeiten.

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4. Umsetzung

Zum Schuljahr 2002/2003 startete die Maßnahme des Betriebserkundungstages für die Abschlussklasse der Pestalozzischule Brunsbüttel (heute Förderzentrum Dithmarschen-Süd) zum ersten Mal. Es gelang, für alle Schülerinnen und Schüler dieser Klasse einen Betrieb zu finden, der sie jeweils am Freitag aufnahm.
Die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und der Förderschule hat sich sehr positiv entwickelt, teilweise gibt es telefonische Abstimmungen darüber, wie ein Betrieb auf die Schwächen eines Jugendlichen reagieren sollte, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Jugendlichen selbst nehmen die Maßnahme durchgängig positiv auf, sie gehen gerne in „ihre” Betriebe. Auch im schulischen Rahmen ist zu spüren, dass die Lernmotivation durch die Maßnahme des Betriebserkundungstages bei der Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse gestiegen ist.

 
5. Vernetzung

Das Förderzentrum Dithmarschen-Süd ist im Bereich der Berufsvorbereitung sowohl auf kommunaler als auch auf regionaler Ebene mit einer Vielzahl von Einrichtungen verbunden, die dem gegenseitigen Austausch und der Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Berufsorientierung dienen. Die Förderschule pflegt mit den folgenden Einrichtungen eine intensive Zusammenarbeit:

  • Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur Heide,
  • dem BQM, Bildung Qualifizierung Meldorf
  • Verein Schule und Betrieb in Brunsbüttel, Arbeitskreis „Berufsorientierung”
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendaufbauwerk Dithmarschen (alljährlich findet für die Abschlussklasse ein gemeinsames Projekt statt, das den Übergang in die berufsvorbereitenden Maßnahmen einleitet)
  • Kooperationsvertrag zwischen dem Förderzentrum Dithmarschen-Süd und dem Jugendaufbauwerk Dithmarschen (JAW), z.B. findet für die 8. Klassen alljährlich eine Berufsfelderprobung im JAW statt, die sich über eine Woche hinzieht.

 

Brunsbüttel, 17. Juni 2013

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